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Im Bild Sein - Der Animationsfilm und das Unbewusste

4. Abend: Biographisches

Filmstill aus Rocks in my Pockets (Signe Baumane, US 2014)

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Ein Kurzfilm und ein Langfilm stehen auf dem Programm:

 

Facing Shadows (Lizzy Hobbs, UK 2015)

Im April 2015 finden sich sieben Jugendliche, die einige Zeit in einem Child and Adolescent Mental Health Service (CAMHS) verbrachten, zusammen, um einen kurzen Animationsfilm zu drehen. Der Film zeigt, wie es ist, als Teenager an Depressionen zu leiden.   

 

Rocks in my Pockets (Signe Baumane, US 2014)

Ein wesentliches Merkmal von Signe Baumanes Filmen ist der pointierte Umgang mit schwierigen und kontroversiellen Themen. Wo andere Menschen betreten schweigen, spricht Baumane mit Mitteln der Animation ganz offen – ihre autobiographische Kurzfilmreihe Teat Beat of Sex (2007) ist ein beeindruckendes Beispiel für die kreative Aufhebung sowohl innerer als auch gesellschaftlicher Tabus. Rocks in my Pockets – A Crazy Quest for Sanity ist Signe Baumanes erster Langfilm, sie erzählt darin die Geschichte ihrer Familie. Diese beginnt in einer nicht näher definierten Gegenwart und führt zunächst in das Litauen der 1920er Jahre, wo Oma Anna – ihres Zeichens gebildet und schlau – einer hoffnungsvollen Zukunft entgegenblickt. Doch die Pläne ändern sich, als Anna einen abenteuerlustigen Entrepreneur heiratet. Von nun an werden Annas Bedürfnisse unterdrückt. Sie quittiert die Fremdbestimmung mit einem Selbstmordversuch, der innerhalb der Familie jahrelang totgeschwiegen wird. Es folgen ganze Generationen weiblicher Familienmitglieder, die das Gefühl von Leere und Verzweiflung reproduzieren, weil dem angedachten Leben in Selbstbestimmung die Realität in die Quere kam. Autonome Lebensentwürfe und die Freiheit, sich intellektuell und künstlerisch auszudrücken, werden von Hochzeiten in (zu) jungen Jahren, Nervenzusammenbrüchen und Tod durchkreuzt.

Das klingt zugegebenermaßen furchtbar, und doch ist Rocks in my Pockets ein optimistischer Film. Nicht nur, weil sich unzählige Familien mit diesem Film erkannt und deswegen getröstet fühlen dürfen. Baumane - durch ihr Voice-over den gesamten Film über auch als Protagonistin - präsent, bricht mit der Familientradition, die bestimmt ist von verzweifelten Schicksalen. In der Anerkennung ihres Lebens als Künstlerin, das gespickt ist mit Möglichkeiten und kreativen Entscheidungen, überwindet die Filmemacherin die Angst vor genetisch grundierter Determination und macht so aus der Familien- auch eine Emanzipationsgeschichte.

Dauer des Filmprogramms: 94 Minuten

Im Anschluss an das Filmprogramm sprechen die Psychoanalytikerin Ulrike Kadi und Melanie Letschnig (Filmwissenschaftlerin, Tricky Women) mit dem Publikum über die Filme.    

 

IM BILD SEIN – DER ANIMATIONSFILM UND DAS UNBEWUSSTE

Teil 4: Biographisches

Datum: 12. Jänner 2016

Ort: Sigmund Freud Museum, Berggasse 19, 1090 Wien

Beginn: 19 Uhr

Der Eintritt ist frei!

 

 

 

Tricky Women - International Animation Filmfestival Vienna